Zwei Projektbesuche auf einen Schlag: Vielfalt in Viernheim
Im Mai 2026 besuchte das Kulturkita Hessen-Team an einem Tag gleich zwei Viernheimer Kitas: das AWO Familienzentrum Kirschenstraße sowie das Entdeckerland. Auch hier wollten wir uns ansehen, wie kulturelle Bildung individuell im Kita-Alltag verankert wird und welche kreativen Entwicklungsprozesse durch Kooperationen entstanden sind.
Erste Station: Musik im AWO Familienzentrum
Im AWO Familienzentrum stand ein musikalischer Morgenkreis mit der Musikschule Viernheim im Mittelpunkt. Seit Herbst 2025 kommen drei Musikpädagog:innen dreimal wöchentlich in die Kita, um gemeinsam mit den Kindern zu musizieren. Während des Besuchs wurde gesungen, getanzt, mit Rhythmen experimentiert und gemeinsam improvisiert.
Nach einem gemeinsamen Einstieg mit einem Begrüßungslied in verschiedenen Sprachen, gab es im weiteren Verlauf viele spielerischen Momente mit Bewegung, Rhythmus und Musik: Singend „flogen“ die Kinder als Vogelschwarm nach Afrika, und mussten ihr Flugtempo dem Rhythmus der Gitarre anpassen, die das Wetter simulierte – gar nicht so leicht. „So kommen wir nie nach Afrika!“, lachte ein Kind.
Die Kooperation des AWO Familienzentrums mit der kommunalen Musikschule ist ein gelungenes Beispiel für nachhaltige Kooperationspartnerschaften: Die pädagogischen Fachkräfte und die Musikpädagog:innen haben sich wiederholt für die Ausarbeitung eines gemeinsamen Angebots getroffen, was allen Kindern kostenfrei zu Verfügung stehen soll. Auch für die weitere Finanzierung des Angebots durch neue Partner ist mit dem gegründeten Förderverein der AWO erste Schritte gemacht.
Zweiter Stopp: Atelier des Entdeckerlands
Im Anschluss führte der Besuch ins Entdeckerland Viernheim. Überall an den Wänden der Kita hängen Kunstwerke der Kinder. Aktuelles Thema: Hundertwasser. Auf Augenhöhe der Eltern hängen kleine Informationsblätter über den Künstler und seine Arbeiten sowie Bilder und Fotos von ihm.
Im Nebenraum liegen schon viele fertige Bilder zum Trocknen. Daneben auf dem Boden liegen in bunten Farben bemalte Formen aus Kartons. Diese werden bald zu einer „Hundertwasser-Stadt“ zusammengebaut.
Das bereits bestehende Atelier wurde mit dem Kulturkita-Budget in einer Kooperationspartnerschaft mit Ubuntu e.V. neu gestaltet und ausgebaut. Die Besonderheit: Materialien werden übersichtlich und auf Kinderhöhe präsentiert, sodass die Kinder selbstständig arbeiten und eigene Ideen entwickeln können. Transparente Boxen, neue Regale und Trockenmöglichkeiten für Bilder machen ein selbstbestimmtest Arbeiten für Kinder möglich. Angestoßen wurden diese Ideen durch ihre Kooperationspartnerschaft mit dem Ubuntu e.V. Der Verein machte mit allen Fachkräften einen Workshop zum Thema „Erfinderwerkstatt“. Später kam Ubuntu erneut zu Besuch, um mit den Kindern und Fachkräften gemeinsam zu arbeiten. Seither bekommt die Kita monatlich einen Ubuntu-Koffer mit vielen Materialien und Schätzen, die zu Kunstwerken verarbeitet werden möchten.
Dieses Mal war besonders: „Würfle und male ein Hundertwasser-Haus“: Viermal Würfeln ergibt vier Etagen mit 24 Elementen. So entstehen spielerisch durch Zufall und Kreativität einzigartige Kunstwerke. Dann ging es ans Ausmalen, Bekleben mit Mosaik-Spiegeln und Hervorheben der Konturen mit Glitzerfarbe. Zuletzt wurde alles auf schwarzem Tonpapier zur Präsentation und besseren Leuchtkraft fixiert.
Den Fachkräften ist Ruhe im Atelier wichtig, damit sich die Kinder konzentrieren können. Die malenden Kinder waren sichtlich im Flow – still und motiviert.
Inspiration haben die Fachkräfte aus der Fortbildung „Kreative Welten öffnen: Kultur, Kunst & Ästhetik im Kita-Alltag entdecken“ mit Henrike Engelhardt und Susanne Brauer bekommen. Diese Fortbildung zur ästhetisch-kulturellen Bildung wurde von Kulturkita Hessen entwickelt und ist BEP-anerkannt.
„Durch die Fortbildung haben wir gelernt, dass es wichtig ist, den Kindern alles an Material gut erreichbar anzubieten. Ich war da anfangs skeptisch, weil ich dachte, das artet in Chaos aus. Kinder würden Material bestimmt horten und nicht zurückbringen. Aber das klappt tatsächlich sehr gut!“
Der Besuch in beiden Einrichtungen zeigte eindrucksvoll, wie kulturelle Bildung Kinder in ihrer Kreativität stärkt, pädagogische Fachkräfte inspiriert und langfristig neue Impulse für den Kita-Alltag setzt.
Alle Bilder in diesem Beitrag sind von Werner Schmaeing.