Künstlerische Prozesse zwischen „Ich“ und „Wir“
Projektbesuch in der Kita Menzelstraße
Anfang Mai besuchten wir die Kita Menzelstraße in Kassel und erhielten Einblicke in eine besondere Kooperation mit Studierenden der Kunsthochschule. Gemeinsam mit den angehenden Künstler:innen Anna Kern und Leon Weber gestaltet die Kita im Rahmen von Kulturkita Hessen eine Workshopreihe für Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren.
Die Zusammenarbeit entstand aus der Initiative der Kita : Bereits im ersten Kulturkita-Jahr nahm die Einrichtung Kontakt zur benachbarten Kunsthochschule auf, um neue kreative Perspektiven in die Kita zu holen und Ressourcen aus dem Sozialraum der Kinder aktiv einzubinden. Für die Kinder bedeutet die Begegnung mit jungen Künstler:innen nicht nur gemeinsames kreatives Arbeiten, sondern auch neue Erfahrungen, Rollenbilder und Ausdrucksmöglichkeiten.
Unter dem Jahresmotto „Vom Ich zum Wir“ entwickelten die Studierenden eine offene Workshopreihe rund um ein sogenanntes „Mix&Match“-Buch. Über mehrere Termine hinweg entstehen Zeichnungen, Collagen, Kostüme und andere kreative Arbeiten der Kinder, die am Ende zu einem Buch gebunden werden. Die einzelnen Seiten lassen sich immer wieder neu kombinieren und laden dazu ein, weiterzudenken, zu experimentieren und eigene Geschichten zu erfinden.
Eine Fachkraft berichtete: „Wir haben beim letzten Mal gemerkt, dass die Kinder so vertieft im Flow waren. Daher haben wir die Workshops einfach auf zwei Stunden verlängert.“
Beim Projektbesuch stand das Thema „Superheld:innen“ im Mittelpunkt. Auf die Frage ob jemand eine:n Lieblingssuperheld:in hat, antwortete ein Kind: „Ja, ich – mich!“. Selbstwirksamkeit war also vorprogrammiert. Nach einem gemeinsamen Einstiegskreis entwickelten die Kinder eigene Figuren und Superkräfte. Es entstanden Kronen, Masken, Zauberstäbe und viele weitere fantasievolle Objekte – zum Beispiel eine magisch glitzernde Bratpfanne.
Abschließend durfte jedes Kind mit einem Edelstein abstimmen, wie ihm die heutige Session gefallen hat. War es gut, mittel oder schlecht? Die meisten Steine lagen beim grünen Lachgesicht.
Kunst, Fantasie und eine geballte Portion Superkräfte – in der Kita Menzelstraße wurde an diesem Vormittag gemalt, geklebt, erfunden und gelacht. Gerade das gemeinsame Weiterdenken macht die Workshops besonders: Jede Idee darf erstmal da sein und wird von den anderen aufgenommen, verändert oder weitergesponnen. So entsteht aus vielen einzelnen Einfällen nach und nach etwas Gemeinsames.
Alle Fotos in diesem Beitrag stammen von Niklas Rudolph (nanopictures).