Buchkinder Kassel e.V.

20. Februar 2026
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Buchkinder Kassel e.V.

20. Februar 2026
Philippa und monia von Buchkinder Kassel e.V. | © li. Leena Kötter, re. privat, Hintergrund Buchkinder Kassel e.V.

Jedes Kind hat seine eigenen Geschichten. Um diesen bunten Geschichtenschatz zu bergen, hat sich der Buchkinder Kassel e. V. 2015 gegründet.

In der Werkstatt werden Gedanken spielerisch weitergedacht und Ideen Schritt für Schritt Gestalt gegeben. Die Kinder experimentieren mit Sprache, Bild und Material, entwickeln eigene Formen des Ausdrucks und erleben, wie aus ersten Einfällen greifbare Werke entstehen. In Kursen und Workshops wird ausprobiert, kombiniert und gestaltet – vom Erzählen über das Zeichnen bis hin zum Drucken und Binden. Dabei steht nicht das Ergebnis im Vordergrund, sondern der kreative Prozess und die Freude am Entdecken.

Die Buchkinder sind Kooperationspartner von Kulturkita Hessen zur Umsetzung des Moduls „Workshop an Beruflichen Schulen“. In diesem Rahmen geben sie im Tandem mit Lehrkräften Druckworkshops an der Elisabeth-Knipping-Schule und planen darüber hinaus weitere Projekte mit den Studierenden. Außerdem durften die Teilnehmenden des Fachtags im November 2025 bei einem Vor-Ort-Besuch in den Räumlichkeiten der Buchkinder von ihren vielfältigen Projekten erfahren.

Wir haben monia und Philippa vom Buchkinder Kassel e.V. interviewt, um sie als Expertinnen besser kennenlernen und vorstellen zu können.

Philippa und monia luden während des Fachtags Interessierte in ihre gemütlichen Räumlichkeiten ein | © DKJS

Mal ganz persönlich: Was sammelst du/sammelt ihr?

monia: Gezielt, aber ohne jegliches System, sammle ich wahrscheinlich nur Bücher, andere Sachen sammeln sich leider von alleine, aber oft komme ich nicht dazu, sie zu lesen. Es gibt dazu den japanischen Begriff Tsundoku (Bücher ansammeln und sie nicht zu lesen) oder deutschen SuB (Stapel ungelesener Bücher). Ich mag sie aber auch als Objekte – das Anschauen und Anfassen schön herausgebrachter Bücher ist toll.

Philippa: Ich habe so eine Schale aus Keramik, in der ich Schönes sammle: Muscheln, Glitzersteine aus dem Tessin, ein kleiner geschnitzter Tiger, den Kienappel einer Schwarzkiefer, ein Flummi, Glimmer aus Georgien, Schneckenhäuser, versteinerte Korallen aus Norwegen… Es sind kleine Stücke der Erinnerung, Geschenke von Freund:innen, Mitbringsel von Reisen und Fundstücke, die mich nicht loslassen oder die ich gerne in die Hand nehme. Ich habe mir aber selbst die Regel aufgestellt, dass es nicht mehr werden darf, als die Schale groß ist, sonst muss ich sie aussortieren. Allerdings starte ich immer mal wieder kleine Sammlungen im Rahmen von meinen künstlerischen Recherchen, die sich dann meistens auch wieder auflösen oder zu Kunst werden: Aktuell sammle ich Mariendarstellungen.

 

Welche Themen, Materialien oder Techniken stehen bei der Arbeit vom Buchkinder Kassel e.V. mit Kindern im Mittelpunkt und warum?

Einer der Sätze, die wir gern als Beschreibung unserer Arbeit nehmen, ist dieser: Jede*r hat Geschichten. Sie handeln von sich und der ganzen Welt. Wir möchten Kindern und Jugendlichen dabei helfen, diese Geschichten zu erzählen. Genauso wie es passt: in Worten oder Bildern, laut oder leise, auf dem Papier oder im Raum, analog oder digital, für sich oder auch für andere.

Wir finden das eigentlich sehr passend. Wichtig ist uns dabei, dass die Kinder in Kontakt mit sich und anderen kommen, der Prozess ist am wichtigsten. Dafür braucht es Neugier und Spaß, haptische Eindrücke zu sammeln, und eine gewisse Ergebnisoffenheit. Wir machen die Erfahrung, dass dies den Kindern oft gar nicht so leicht fällt, weil sie es nicht gewohnt sind, dass es kein klares von uns gesetztes Ziel gibt. Das ist dann eine besondere Form der Auseinandersetzung miteinander: Lücken und Langeweile zulassen, motivierende und bestärkende Worte finden, die Gruppe mit einbeziehen und zusammenhalten, die Kinder in Ruhe ausprobieren lassen, inspirierende Beispiele finden, die nicht dazu führen, dass alles genauso werden soll – manchmal löst das kleine und große Krisen aus. Wir glauben aber daran, dass es wichtig ist, diesen künstlerischen Freiraum zu schaffen.

Wir experimentieren gerne mit einfachen grafischen Drucktechniken, alles rund ums Medium Papier. Aber wir haben auch schon Sound- und Fotoprojekte gemacht und sind da nicht so festgelegt. Manchmal nehmen wir auch zum Anlass selbst etwas Neues ausprobieren zu wollen und laden uns dann entweder Expert:innen ein, oder lernen das gemeinsam mit den Kindern.

 

Warum sollten Kinder früh Zugang zu Musik, Kunst, Literatur und Kultur bekommen – und was brauchen sie dafür?

Um sich frei und verstanden zu fühlen. Idealerweise um einen wertfreien Raum schaffen und zu erleben, sich mit unterschiedlichen Materialien spielerisch auseinanderzusetzen. Auch um herauszufinden, wie sie das Gesehene und Erlebte – die Welt um sich herum – verarbeiten können. Und um herauszufinden, was sie zu erzählen haben und wie sie dies erzählen und ausdrücken möchten.

Wir denken, dass Kunst- und Kulturangebote auch aus den großen Häusern und Institutionen raus müssen. Wir kooperieren deshalb gerne mit in den verschiedenen Stadtteilen verankerten Akteur:innen, die den Bewohner:innen bereits als Anlaufstelle und Freizeitort vertraut sind,  z.B. mit Schulen, Stadtteilzentren und anderen sozialen Einrichtungen. Damit versuchen wir ein niederschwelliges und zum direkten Mitmachen einladendes Angebot zu schaffen.

 

Gab es ein Erlebnis aus einem der Kulturkita-Projekte, das euch/dich besonders berührt oder überrascht hat?

In den Projekten mit zukünftigen Erzieher:innen gab es viele Momente, wo die Teilnehmenden völlig in den künstlerischen Prozess eintauchten. Gerade diese Momente zu beobachten, begeistert uns. Und es war immer wieder überraschend, wer in der Gruppe wie auf das Angebot reagiert hat.

 

Wenn ihr der politischen Landschaft eine Sache über frühkindliche kulturelle Bildung sagen könntet, was wäre das?

Hört auf, Gelder für Kunst und Kultur zu streichen! Fördert freie künstlerische Projekte langfristig und realitätsnah!

Wir lieben unsere Arbeit und machen sie gerne. Aber wir sind auch vielen (finanziellen) Unsicherheiten und Unplanbarkeiten ausgesetzt. Das ist oft ermüdend und anstrengend.

 

Weitere Infos und Einblicke zum Buchkinder Kassel e.V. finden sich auf ihrer kreativen Website und bei Instagram.